Olaf Reisson - Malerei und Plastik

 

1971  Kölner Kunstkaleidoskop
1972  Neumarkt der Künstler
1978  PKV-Verband, Köln
1979  Inter Art Galerie, Köln
1981  Eifeler Landschaftsmuseum
Mayen: Landschaften der Vulkaneifel
1982  Rathaus Gerolstein:
Sonderausstellung der
Europäischen Vereinigung
Bildender Künstler aus
Eifel und Ardennen
1985  PKV-Verband Köln
1992  Gemeinschaftsausstellung
Dr. Werner Flimm
Olaf Reisson
PKV-Verband Köln
1998  Galerie am Rathaus, Köln
Niederrheinische Landschaften
1998  Schloss Wickrath:
Niederrheinische Landschaften 
2001  Ausstellung zur Eröffnung
der Pro Seniore Residenz
Erkelenz
2002 Rhein-Sieg-Klinik
Wasserspiegelungen
2007 Schloss Wickrath Gruppenausstellung
2008 offenes Atelier

Landschaftsaquarelle von Olaf Reisson

Den 1945 in Leipzig geborenen Maler Olaf Reisson, der heute in Mönchengladbach lebt, als einen Portrai­tisten vorzustellen, scheint zunächst angesichts seiner Landschaftsaquarelle, die zumal ganz ohne menschliche Figuren auskommen, verfehlt. Und doch ist er dies auf seine Weise eigentlich immer schon gewesen.
Interessiert haben ihn stets – deutlich bereits 1981 in seinen gemalten Ansichten der Vulkaneifel - die charakteristischen, markanten und manchmal auch geheimnisvollen Züge, die das individuelle Gesicht einer Landschaft prägen.
Und wenn diese Landschaften reden könnten, wäre es ganz zweifellos deren Mundart, der Dialekt, der so­zu­sa­gen als ein lokales Kolorit aus den Aquarellen von Olaf Reisson spricht.
Zur Technik der Aquarellmalerei, welcher er sich seit 1983 verstärkt zuwandte, hat der Künstler auf einer Reise in die Bretagne gefunden. Der Malkasten wird seither zum ständigen und ganz selbstverständlichen Begleiter auf seinen vielen Wegen, ob in Schottland, Frankreich, in der Toskana oder in der Schweiz. Und anders als vorher ist nun auch die freie Natur zu seinem eigentlichen Atelier geworden.

Nicht zuletzt wegen der direkten und spontanen Handhabbarkeit vor Ort ist dem Aquarell in der Land­schafts­ma­lerei von jeher eine ganz besondere Rolle zugefallen. Darstellungen einer Leichtigkeit des At­mo­sphä­ri­schen und einer geradezu fluidalen Transparenz der Farbe finden in einer der wohl ursprünglichsten Maltechniken ihr adäquates Medium.
Überhaupt ist das subjektive Erlebnis der Landschaft zum bevorzugten Gegenstand des Aquarells ge­wor­den, mit kunsthistorischen Sonderleistungen vor allem im England des 18. Jahrhunderts. Noch heute wird dort diese Form des sehr privaten, beinahe intimen künstlerischen Umgangs mit der Natur liebevoll wei­ter­ge­pflegt, eine Tradition, die auch in den Arbeiten von Olaf Reisson auf eine gewisse Weise widerscheint.

Es ist eine lange Künstlerfreundschaft, die ihn so - auch auf gemeinsamen Reisen - mit Renate Friedländer geprägt hat, einer Malerin, die vor allem durch ihre englischen und schottischen Landschaften bekannt wurde und die selbst einen Teil ihres Lebens in der englischen Exilheimat verbracht hat.

Die Niederrheinischen Landschaftsaquarelle, die fast allesamt in der nahen Umgebung von Mön­chen­glad­bach und bei Wickrath an Schwalm, Nette und Niers entstanden sind, haben im Schaffenswerk von Olaf Reisson ihren ganz persönlichen Stellenwert.
Der Maler ist mit dem Wohnungswechsel von Köln 1988 in die Umgebung seiner Kindheit zurückgekehrt. Die regressiven Empfindungen dieser Widerbegegnung sind in den Arbeiten durchaus spürbar, wenn der Künstler den vertrauten Gesichtszügen seiner Landschaft nachgeht:
Da erinnern die gerade hier so charakteristischen Merkmale der schrundigen Kopfweiden, die im Nebel der Weiher oder in den Feuchtwiesen von Bruch- und Auenlandschaften stehen, manchmal an versunkene Mär­chen­ge­stal­ten aus Kindheitstagen, ein wenig gealtert und nur den jahreszeitlichen Wandlungen ausgesetzt.
Es sind kontemplative und stille Landschaften, in denen sowohl die natürlichen, als auch die künstlichen Formationen ihren ästhetischen Reiz ausüben. Es gibt Ansichten von unveränderten, gepflegten und land­wirt­schaft­lich kultivierten Äckern, Weiden und Ährenfeldern. Daneben verweisen die Bauerngehöfte, Mühlen und herrschaftlichen Anwesen, manchmal auch kleinere Orte auf menschliche Gegenwart. Doch wirken viele der architektonischen Motive eher wie eingepflanzt und mit der umgebenden Natur verwachsen.

Auch die bedrohliche Facette der Nähe des Menschen mit ihren umweltlichen Prägungen wird registriert: Ein beinahe verletztes Gesicht zeigt diese Landschaft vor allem in den vom Braunkohletagebau gezeichneten Öd­nissen bei Jüchen mit den verändernden Eingriffen, die sozusagen unter die Haut gehen.

Immer wieder aber scheint in diesen Landschaftsveduten das Naturelement Wasser als ein durchgehendes Motiv auf, das sich in der Bilderfolge von Wasserspiegelungen manchmal sogar zu verselbstständigen scheint.
Selbst auf die Aquarelltechnik der Nass- in Nass- Malerei, die Olaf Reisson verstärkt dabei anwandte, scheint dieses Element eingewirkt zu haben.
Die Nähe des großen Stromes, der diese Landschaft mit ihren Feuchtwiesen in den Niederungen, den vielen Seen und Weihern wesentlich prägte und dem sie ihren Namen verdankt, bleibt so auch in den Aquarellen von Olaf Reisson stets spürbar.

Dr. August Bernhard Rave
(Verfasser ist Kunsthistoriker an der Staatsgalerie Stuttgart)

 

Olaf Reisson und die „Poesie des Zerfalls“

Pastelle

Zu seinen künstlerischen Wurzeln hat der Wickrather Künstler Olaf Reisson zurückgefunden. In den 70er Jahren hatte er sich zunächst mit surrealistischen Motiven auseinander gesetzt, später inspirierten ihn die Gesteinsschichten in Eifeler Lavagruben und Basaltbrüchen zu seinen Gesteinsbildern . Häufig sind in seinen neuen Motiven frühe eigene Steinbruchgemälde verarbeitet oder frühe surrealistische Gemälde. Olaf Reisson war und ist fasziniert von den schroffen Formen in einem Steinbruch: “die Steinblöcke sind eine Art `Úr-Skulptur`, wenn man so will, von Menschen geschaffen, aber immer noch Natur.“ In diese Steinbruchkulissen sind Köpfe, Schriftzeichen,  keltische Ornamente, Zerbrochenes und Verrostetes eingearbeitet. Olaf Reisson erklärt: „ Zerbrochenes Gestein und verrostete Fragmente bedeuten in diesen Bildern untergegangene Kultur, der Scherbenhaufen der Geschichte sozusagen. Fragmente und Ruinen beflügeln unsere Phantasie. Die unbrauchbaren und verrosteten Bruchstücke strahlen gleichwohl die Poesie des Zerfalls aus.“  Ein Zerfall, der sich auch in einigen religiösen Motiven wiederspiegelt, in denen zum Beispiel die christliche Erlöserfigur kleingeschrumpft und verrostet von einer untergehenden Religion zeugt.

Tonplastiken

Der Blick in das Innere der Erde war Olaf Reissons künstlerisches Thema. Mit seinen Ton-Skulpturen findet Olaf Reisson heute eine künstlerische Entsprechung dieser Suche unter der Oberfläche. Ein zentrales Anliegen ist der Einbezug des Hohlraums. Der Blick wandert durch das geöffnete „Skulpturen-Gedankengebäude“. Es entstehen Einblicke in plastische Figuren, die perspektivisch überraschen, so zum Beispiel der „ Affe“ in uns, der sowohl Sinnbild der menschlichen Evolution, wie auch zugleich das Tier im Menschen bedeutet. Ebenso vielschichtig sind seine Würfelpanoptiken. Menschliche und tierische Leiber, Gesichter, mahnende Finger und Hände sind zu einem Würfelpanoptikum verdichtet. Hände und Finger deuten Gestenhaftes an. Gesichter und Körperteile sind im Dialog einander zugekehrt. Gleichwohl ist es ein unverhofftes Zusammentreffen. Stumm und rätselvoll ist ihr Zwiegespräch, dessen Inhalt letztlich unwesentlich ist.

(Text: Heinz- Gerd Wöstemeyer, 2008)

 

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